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Fuß- und Nagelpilz: Warum frühes Handeln so wichtig ist

Weibliche Beine mit schöner Pediküre und Blumen auf hellem Hintergrund
Weibliche Beine mit schöner Pediküre und Blumen auf hellem Hintergrund
© Pixel-Shot - Shutterstock.com

3 bis 12 Prozent der europäischen Bevölkerung leiden an Nagelpilz, wobei Ü65-Jährige am häufigsten betroffen sind.1 Dr.in med. Claudia Heller-Vitouch, Fachärztin für Haut- und Geschlechtskrankheiten sowie Ärztliche Leiterin des Pilzambulatoriums Hietzing, erklärt, warum Fuß- und Nagelpilz einer raschen Abklärung bedürfen und was zu tun ist, um die hartnäckigen Erkrankungen loszuwerden.  

Dr.in med. Claudia Heller-Vitouch, Fachärztin für Haut- und Geschlechtskrankheiten sowie Ärztliche Leiterin des Pilzambulatoriums Hietzing

Dr.in med. Claudia Heller-Vitouch

Fachärztin für Haut- und Geschlechtskrankheiten sowie Ärztliche Leiterin des Pilzambulatoriums Hietzing

Was sind Fuß- bzw. Nagelpilz?

Ein Fußpilz ist ein Hautpilz, der sich vorzugsweise in feuchtwarmen Hautarealen einnistet, beispielsweise zwischen den Zehen. Die betroffene Haut juckt, rötet und schuppt sich. Oft folgt ein Nagelpilz auf einen Fußpilz – dieser befällt die Nagelplatte: Sie verfärbt sich gelblich, wird dicker und im weiteren Verlauf brüchig. Unbehandelt breitet sich Nagelpilz aus, schlimmstenfalls auf alle Zehen- und auch Fingernägel. 

Wie infiziert mensch sich mit Fuß- und Nagelpilz und wer ist besonders gefährdet?

Öffentliche Schwimmbäder, Saunen, Duschen und Sporthallen sind klassische Lebensräume von Pilzen, die Haut und Nägel befallen: meist Faden-, seltener Spross- (Hefen-) und Schimmelpilze. Wer dort barfuß läuft und vielleicht noch eine kleine Hautverletzung am Fuß hat, ist besonders gefährdet. 

In der Praxis zeigt sich, dass die Häufigkeit von Fuß- und Nagelpilz ab 60 steigt und Frauen häufiger betroffen sind als Männer. Außerdem sind Menschen mit chronisch-mechanischem Fußtrauma, wie es nach jahrelangem Tragen enger, hoher Schuhe oder Sportschuhe typisch ist, anfälliger für Fuß- und Nagelpilz. Auch Personen mit Durchblutungsstörungen, Stoffwechselerkrankungen wie Diabetes mellitus und neurologischen Störungen gehören zur Risikogruppe. Zudem gibt es Menschen, die von Haus aus eher zu Infektionen mit Haut- und Nagelpilz neigen. Anders ließe sich nicht erklären, dass in Partnerschaften oft nur ein:e Partner:in betroffen ist, gleichwohl sich Bett und Dusche geteilt werden.  

Wann ist es Zeit, ärztliche Hilfe einzuholen?

Eine Untersuchung ist nötig, wenn sich die Haut rötet, juckt oder schuppt und/oder die Nägel sich sichtlich verändern. Die eindeutige Diagnose ist unerlässlich, um andere Erkrankungen auszuschließen, beispielsweise eine Schuppenflechte. Denn nur hinter etwa einem Viertel aller Nagelerkrankungen stecken tatsächlich Pilze. Wichtig zu wissen, ist: Wer ohne ärztlichen Rat zu einem rezeptfreien Mittel aus der Apotheke greift, verzögert im ungünstigsten Fall eine fachmedizinische Diagnose und die passende Behandlung. Ganz zu schweigen von den vermeidbaren Ausgaben. Außerdem gilt: Die Behandlung ist mit drei bis sechs Monaten oder länger langwierig – je früher damit begonnen wird, desto kürzer ist sie in der Regel. 

Welche Behandlungen sind effektiv?

Fuß- und Nagelpilze sind lästig, aber heilbar. Ihre Behandlung erfordert dennoch Geduld und wirksame Medikamente. Mit Hausmitteln wie Teebaumöl wird man die hartnäckigen Pilze nicht los.  Einen Hautpilz bekämpfen wir mit lokalen Anti-Pilztherapien (Cremes) meist gut. Bei Nagelpilz sieht das anders aus: Nur 5 bis 8 Prozent der leichten Fälle zeigen nach 48 Wochen Lokaltherapie überhaupt Behandlungserfolge. Leitliniengetreu setzen wir hier deshalb auf systemische Therapien, also Tabletten zur Einnahme. Diese lassen sich durchaus auch mit Lokaltherapien kombinieren. 

Wichtig bei einer systemischen Behandlung ist es, die Gesundheit der Leber vorab und auch im Verlauf im Auge zu behalten, da es – wenn auch selten – hier zu Nebenwirkungen kommen kann. 

Helfen Lasertherapien gegen Nagelpilz?

Dahinter steckt die Idee, den Pilz mit Temperaturen von mehr als 60 °C abzutöten. Das ist theoretisch wohl möglich, doch in der Praxis ist die Heilungsrate gering und die Verletzungsgefahr durch zu hohe Temperaturen bei einer Laserbehandlung hoch. 

Lässt sich einer Infektion mit Haut- und/oder Nagelpilz wirksam vorbeugen?

Eine gute Hygiene ist sicher wichtig, um Haut und Nägel gesund zu erhalten. Doch selbst der gepflegteste Fuß ist nicht gegen Pilzbefall gefeit. Fuß- und Nagelpilz können jede:n treffen. Wichtig zu wissen, ist, dass es keinen Grund gibt, sich deswegen zu schämen und die fachärztliche Behandlung hinauszuzögern. 

Warum treten Pilzerkrankungen in etwa 25 Prozent der Fälle2 erneut auf?

Es kommt zu einem Rezidiv, weil die Pilze extrem widerstandsfähig sind und lange Zeit auf Textilien und in Schuhen überleben. Außerdem ‚arrangiert‘ sich das Immunsystem mitunter mit den Erregern und bekämpft diese nicht (mehr) so wirkungsvoll, wie es müsste.  

8 Tipps zur Vorbeugung von Fuß- & Nagelpilz

  1. Laufen Sie in öffentlichen Duschen von Schwimmbad, Sauna und Sporthalle nicht barfuß.
  2. Trocknen Sie Ihre Füße nach jedem Waschen, Duschen und Baden sorgfältig ab, insbesondere zwischen den Zehen.
  3. Teilen Sie keine Hand- und Badetücher mit anderen und waschen Sie diese bei mindestens 60 °C. Erst dann sterben die meisten Pilze ab.
  4. Teilen Sie Werkzeuge zur Fuß- und Nagelpflege nicht mit anderen. Reinigen Sie die Utensilien regelmäßig oder nutzen Sie Einmalfeilen.
  5. Wechseln Sie Socken täglich und waschen Sie diese bei mindestens 60 °C.
  6. Tragen Sie keine engen Schuhe, die drücken und Blasen machen.
  7. Lassen Sie Ihre Schuhe nach dem Tragen trocknen und desinfizieren Sie sie regelmäßig, insbesondere stark beanspruchte Sportschuhe.
  8. Besuchen Sie nur Nagelstudios und Fußpflege-Institute, von deren Leistung und Hygiene Sie überzeugt sind. Wir beobachten in unserer Pilzambulanz immer wieder Nagelpilz unter künstlichen Nägeln.

1https://www.oeaz.at/Unterschiede-erkennen.html
2https://klinischestudien.at/krankheit/onychomykose/onychomykose-leben-mit-der-krankheit/

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