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Made in Austria

Lucky Luke in Österreich

Dokumentarfilmer Michi Reisecker © Foto: www.eh-fotografie.at

Wie viel Buntheit und Vielfalt auf der doch recht knappen Fläche von Österreich Platz finden, beeindruckt Michi Reisecker selbst nach zehn Jahren auf Achse.

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Michi Reisecker

Dokumentarfilmer Michi Reisecker ist seit 2009 mit seinen “Reiseckers Reisen” im ORF-Nachtprogramm, in Österreich und darüber hinaus unterwegs. Im Moment arbeitet er an einer neuen Staffel, die ab Oktober auf ORF1 zu sehen sein wird.

Wie entstand die Idee zu „Reiseckers Reisen“?

Ich war in Neuseeland wandern, als mir Touristen aus Holland und Israel erklärten, wie schön sie Österreich finden. Da ist mir aufgefallen, wie beschämend wenig ich von meinem Land kenne und das wollte ich dann schleunigst ändern.

Es gibt wahrscheinlich nur wenige Menschen, die Österreich besser kennen als du. Was treibt dich an, weiterzumachen?

Ich bin stets auf der Suche nach Geschichten. Das ist einfach eine Neugier in mir, die ich nicht bändigen kann. Mich interessiert, warum Menschen das machen, was sie machen und warum gerade dort. Bei vielen ist es halt die Liebe. Bei anderen die Arbeit, weil man woanders ein paar hundert Euro mehr verdienen kann als zuhause.

Wie ist es, allein unterwegs zu sein?

Gernot Grassl, langjähriger Editor von Reiseckers Reisen, beschreibt es immer als „Lucky-Luke-Job“: Ich darf nirgends hängenbleiben, sondern muss immer weiterreiten. Ich treffe natürlich viele Menschen, aber es ist schon auch ein einsamer Job, wenn man die Nacht dann allein in irgendeiner Pension verbringt. Das ist aber manchmal auch ganz gut. Wenn man sich den gesamten Tag Lebensgeschichten anhört, braucht man auch mal eine Pause, bevor man weiterreitet.

Welche Region hat es dir besonders angetan?

Absolutes Lieblingsbundesland ist Vorarlberg. Die grünen Alpen dort sind einfach sehr beeindruckend, genauso wie die Leute und der Dialekt. Umgekehrt find ich auch das Burgenland großartig, selbst wenn es für mich als geborenen Innviertler fast zu flach ist. Im Grunde sind es aber einzelne Regionen und diese Vielfalt, die mich begeistern, ohne Menschen und Regionen in Schubladen stecken zu wollen.

Ich kann nicht sagen, die Leute dort sind so und so – jeder Mensch steht für sich. Aber beim Schneiden merken wir dann immer, dass die Region irgendwie mitschwingt. Entweder einfach optisch, aber auch durch die Menschen selbst. Die Region ist die Bühne und die Menschen die Protagonisten darauf.

Was bedeutet für dich Heimat?

Seitdem ich unterwegs bin, fällt mir auf, dass der Begriff zunehmend von der Politik missbraucht wird. Das heißt nicht, dass man auf Heimatbewusstsein, Brauchtum und Tradition verzichten muss. Das wäre genauso falsch. Es ist kein „entweder/oder“, sondern ein „sowohl/als auch“. Nach meinen Reisen kann ich sagen, dass es diese Trennung in der Bevölkerung und im Alltag in der Form auch nicht gibt. Als Österreicher erlebe ich auf meinen Reisen diese politisch befeuerte Angst vor dem Fremden und Unbekannten nicht.

Im Gegenteil: Mittlerweile habe ich wohl um die 3000 Leute getroffen und bin immer wieder erstaunt, wie viel Weltoffenheit, Innovation und bunte, kulturelle Vielfalt man selbst im abgelegensten Nest finden kann. Das ist überhaupt das Schöne an meiner Arbeit: Die Vorurteile, die man mit sich herumträgt, zerbröseln oft, sobald man mit den Leuten ins Gespräch kommt. Umso mehr wünsche ich mir, dass wir verstehen, dass Angst und nationale Abgrenzung keine Lösung sein kann. Wir müssen in Vertrauen und Offenheit eine vielfältige, bunte Gesellschaft anstreben, die sich globalen Problemen nicht verschließt, sondern sie gemeinsam löst.

Wie hat sich deine Heimat nach deinen Reisen verändert?

Mir ist aufgefallen, wie gut es war, da rauszukommen und über den Tellerrand zu schauen. Nicht nur, weil ich so auch etwas Anderes kennen gelernt habe, sondern weil ich es jetzt noch mehr schätze, dort aufgewachsen zu sein.


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